Der Weg zur modernen Wehr – von den Anfängen bis heute

Die Zeiten der Brandbekämpfung mit Eimerketten und tragbarer Feuerspritze wandeln sich, und sie sind vorbei, als die Technisierung der Feuerspritze und der Feuerwehr begann.

Am 6. Februar 1873 wird eine (Pflicht-) Feuerwehr gegründet. Die beiden Kollegien (Gemeinderat und Bürgerausschuss) beraten und beschließen die Einsetzung einer Kommission zu Aufstellung der Feuerwehr-Statuen:

Den Vorsitz der Kommission hat Schultheiß August Best.

Ihr gehören an
vom Gemeinderat: vom Bürgerausschuss:
Fr. Trautwein Obmann Fr. Häußler
Gottlieb Harth Ziegler Jakob Groß
Fr. Körner Jakob Zeller


1881 wird bestimmt, dass bei einem auswärtigen Brand sechs Retter, sechs Steiger, sechs Buttenträger und zwölf Mann zur Spritzenbedienung abgehen sollen. 1886 / 87 soll in Steinheim an Lösch- und Rettungsgeräten vorhanden sein und wird auf diesen Stand gebracht:

A) im Hauptort: 2 vierrädrige, zweistrahlige Feuerspritzen mit fortlaufendem Strahl, eine davon / 1887 von der Firma Gebr. Bachert in Kochendorf für 1500 Mark mit Saugvorrichtung, welche in der Minute 220-360 l Wasser 28-33 m weit auswirft / 180-250 m Druckschläuche / 1 Handspritze / 4 Stützenleitern, wovon 2 mit Bockleitervorrichtung / 4 Anstellleitern / 8 Dachleitern / 8 Stockleitern / 12 Butten / 16 Schapfen / 6 Feuerhaken / 4 Erdölfackeln / 2 Schlauchbrücken / 4 Doppelhaken / 30 Feuereimer / 9 Rettungssäcke / 1 Rädergestell zum Transport der großen Leitern / 1 zweirädriger Karren zum Transport der übrigen Geräte der Steiger- und Retterabteilung.

B) in der Teilgemeinde Lehrhof: 1 Handspritze / 1 Tragkraftspritze / 1 Anstellleiter /1 Feuerhaken / 4 hölzerne Butten / 4 Schapfen.

C) in der Teilgemeinde Vorderbirkenhof: 1 Trag- oder Handspritze / 1 Anstellleiter / 3 hölzerne Butten.


Die Geräte werden aufbewahrt:

A) vom Hauptort im Rathaus, und zwar Spritzen, Butten, Schapfen und Eimer - in einer Remise, Stütz-, Anstellleiter und Feuerhaken - in der Durchfahrt, Dach- und Stockleitern und Doppelhaken im untern Rathaus – Öhrn, Butten, Gabeln und Schippen in einer Kammer des 1. Stockes;

B) in der Teilgemeinde Lehrhof in der Kelter;

C) in der Teilgemeinde Vorderbirkenhof verteilt.

Die Pflichtfeuerwehr (190 Mann in 5 Zügen) ist hier vollständig organisiert.
Die Abteilungen: 1. Steiger und Retter / 2. Spritzenmannschaft / 3. Büttenträger und Wasserschöpfer / 4. Flüchtungsmannschaft / 5. Sicherheits- (Ordnungs-) Mannschaft.
Kommandant, Adjutant, 3 Hornisten, 36 Steiger und Retter, Abteilungsführer wie auch die Rotten- und Spritzenmeister tragen Messinghelme und Gurten.
Steiger und Retter sind mit Seil, Axt, Pickel, Beil, Pfeife, Laterne und 8 Schlauchhaltern versehen.
Die Bedienungsmannschaft zur zweistrahligen Fahrspritze besteht aus 40 Mann und die zur Fahrspritze ohne Windkessel aus 12 Mann, je nebst Führer. Zur Bedienung der Handspritze sind 2 Mann beordert.
Die Abteilung der Buttenmannschaft oder Wasserschöpfer hat 48 Mann, die Flüchtlings- wie die Sicherheitsmannschaft je 20 Mann.


1891 Anschaffung eines Rettungskorbes von 700 l Inhalt.

1892 Vom 1. Zug der Feuerwehr werden 8 Freiwillige zum führen der Flöße bei Hochwasser aufgestellt.

1898 Am 4. September begeht Steinheim sein Feuerwehrfest zum Gedenken an die Gründung seiner Wehr im Jahre 1873.

1921 Am 31. Juli tritt an die Stelle der Pflichtfeuerwehr hier die Freiwillige Feuerwehr (Mannschaftsstärke: 124 Mann in 4 Zügen) unter dem bisherigen Kommandanten Gottlob Zwink, Zimmermann, und anstelle der Feuerlöschordnung vom 07.11.1887 wird eine neue entworfen, beraten und dem OA Marbach zur Genehmigung vorgelegt. Die Wehr erhält im gleichen Jahr eine mechanische Feuerwehrleiter, Steighöhe 12 m.

1923 Das 50jährige Jubiläum “feierte“ man mit einer großen Übung. Das Fest entfiel, da zu jener Zeit die Inflation (der Währungsnotstand) sich überschlug. Sie endete am 15.11.1923 mit der “Schaffung“ der Rentenmark. Das Inflationsrezept lautete: 1 Billion Inflationsmark, Papiermark, gleich 1 Rentenmark.

1930 Ein Spielmannszug wird aufgestellt (13 Mann). Führung: Rudolf Braun.

1931 Ein Löschzugwagen von der Firma Lieb, Blaubeuren, wird gekauft. Zum Kellerauspumpen wird keine Feuerspritze mehr zur Verfügung gestellt, sondern für die Einwohnerschaft eine Diaphragma-Pumpe (207,75 Mark) beschafft, weiter noch ein Schlauchtrockenapparat.

1935 Übergabe der ersten Motorspritze an die Wehr, eine Tragkraftspritze TS 8 von der Firma Ziegler in Giengen (Brenz).
Durch den Umbau des Rathauses wird das Feuerwehrmagazin dort auf die Hälfte verkleinert, so dass man als Übergangslösung die Bayha’sche Scheuer mietet.

1939-1945 Der 2. Weltkrieg brachte unzählige Fliegeralarme, und zu jedem musste eine Gruppe ausrücken. Durch den gehäuften Dienst und den Einzug von Wehrmännern zur Wehrmacht musste man auch eine Frauenabteilung aufstellen. Im Januar 1944 waren es 26 Frauen und Mädchen.

1940 Im März wird eine kombinierte Luftschutz- und Feueralarmanlage auf der Kelter installiert, das Großalarm-Sirenengerät von der Firma Telefonbau und Normalzeit in Stuttgart.

1946 Die Freiwillige Feuerwehr wird reorganisiert: Kommandant Eugen Haller, Stellvertreter Otto Klotz, Schriftführer und Kassierer Wilhelm Obenland, Geräteverwalter Friedrich Keppler.

1948 Wiederum fällt das 75jährige Jubiläum der Wehr in die schlimme Nachkriegszeit (wie schon das 50jährige), so dass man es auch mit einer großen Übung (und einem Jubiläumsabend in der Spielplatzhalle) begeht.

1949 Die Gemeinde kauft für den Lehrhof eine Motorspritze TS 8 Fabrikat Magirus für 2100 Mark. Es begann aber auch der Neubau eines Feuerwehrgerätemagazins, verbunden mit Gemeindewaschküche und Badeanstalt (jetzt auch Bäder und Massageinstitut) auf der Allmend vor dem Schaftor nach den Plänen von Architekt Knecht, Ludwigsburg.

1950 Einweihung dieses Magazins und Feuerwehrfest vom 15. bis 17. Juli.

1953 Der Lehrhof braucht und erhält 100 m Feuerwehrschläuche, eine Feuerlöscher für Öl- und Benzinbrände (Kohlenstoffdioxidlöscher) und einen ebensolchen für Elektrobrände.

1956 Am 16. September kann die Wehr ihr 1. Löschfahrzeug vom Typ TS 8 übernehmen. Es ist ein Daimler-Benz-Fahrzeug mit Vorbaupumpe. Pumpe und Aufbau stammen von der Firma Metz, Karlsruhe.

1962 Der ehemalig Spielmannzugführer Rudolf Braun erhält für 40jährige aktive Dienstzeit das goldene Feuerwehr-Ehrenabzeichen.

1964 Die Löschgruppe Lehrhof weiht mit einem Gartenfest ihren zum Teil in Eigenarbeit erstellten Unterrichtraum ein.

1966 2. bis 4. Juli Feuerwehrfest, verbunden mit Fahnenweihe (Fahne von der Firma Burger in Munderkingen), Kreisfeuerwehrtag, Kinderfest, 1. Treffen der Spielmannszüge des Kreises Ludwigsburg und der Inbetriebnahme der neuen Feuermelde- und Alarmanlage mit 9 Feuermeldern und 31 Weckern.
Im Jahr 1966 ist die Wehr ausgerüstet mit einem TLF 16, einem LF 8, zwei TS 8, zwei Schmutzwasserpumpen, einem Schaumgerät zur Bekämpfung von Öl- und Autobränden, sowie drei Atemschutzgeräte.

1969 Kommandant Erich Trautwein erhält das goldene Feuerwehr-Ehrenabzeichen.

1970 Das Gerätemagazin wird durch den Anbau eines schönen geräumigen Unterrichtsraumes, einer Küche und eines Duschraumes erweitert.

1972 Nach der Eingliederung Kleinbottwars am 01.01.1972 wird seine Freiwillige Feuerwehr eine selbstständige Abteilung in der Feuerwehr Steinheim. Abteilungskommandant ist Heinz Haag, Kleinbottwar.
Kleinbottwar hat nun in seinem schmucken Rathaus ein neues Gerätemagazin.

1973 Nach Eingliederung von Höpfigheim wird die Freiwillige Feuerwehr Höpfigheim als selbstständige Abteilung III in die Gesamtwehr aufgenommen. Abteilungskommandant ist Richard Sigrist.

1975 Die Abteilung II Kleinbottwar erhält eine neue Tragkraftspritze TS 8.

1976 Am 6. Juni erhält Steinheim ein neues Löschfahrzeug LF 16 / 8.
Am 16. Dezember erhält die Abteilung II Kleinbottwar ein neues Löschfahrzeug LF 8 TS, das alte Tragkraftspritzenfahrzeug TSF kommt nach Steinheim.

1978 Die Alarmierung der Feuerwehr wird auf den Notruf 112 umgestellt, es werden in alle Feuerwehrfahrzeuge und ins Gerätehaus Steinheim Funkgeräte eingebaut, für die Sirenen im Stadtgebiet werden Sirenensteuergeräte installiert. Die Weckerlinie wird teilweise stillgelegt, deshalb erhalten 20 Feuerwehrleute neue Funkmeldeempfänger.

1980 25 neue Funkmeldeempfänger werden angeschafft, die Weckerlinie wird ganz abgebaut.

1981 Das Tragkraftspritzenfahrzeug TSF wird an einen Feuerwehrkameraden als Sammelobjekt verkauft, da es nicht mehr durch den TÜV kommt.
Für das Feuerwehrfahrzeug LF 8 TS, welches nach 26jähriger Dienstzeit vom TÜV abgesprochen wurde, wurde als Ersatz vom Bund ein LF 16 TS übernommen und gekauft.
Das alte Löschfahrzeug LF 8 TS wird an einen Steinheimer Geschäftsmann verkauft, der damit einer Südtiroler Gemeinde, zu der er jahrelang enge Bindungen pflegt, ein Geschenk machen will, denn technisch ist das Fahrzeug noch in Ordnung.

1982 Nach einigen technischen Problemen mit der Funkalarmierung wird im Gerätehaus Steinheim eine Funkumsetzungsanlage installiert, die Abteilung Steinheim erhält sechs Handsprechfunkgeräte.
Sechs Feuerwehrmänner überführen das alte LF 8 TS nach Südtirol.

1983 110 Jahre Freiwillige Feuerwehr Steinheim mit Steinheimer Tag. 4. bis 6. Juni Leistungsprüfungen in Steinheim.

1984 Kauf eines MTW (heute ELW) von der Fa. Bachert.

1985 Um- und Erweiterungsbau Lehrhof.
Abriss des Feuerwehrhauses Steinheim.

1986 Zum ersten mal Leistungsabzeichen von 2 Gruppen in Gold. Kommandant Helmut Trautwein wird Kreisfeuerwehr-Verbandsvorsitzender.

1987 8. Mai Einweihung des neuen Feuerwehrhauses in Steinheim.

1988 Gründung der Jugendfeuerwehr Steinheim.

1990 6. Oktober 60jähriges Jubiläum des Spielmannszuges.
Neue Einsatzkleidung Baden-Württemberg.

1991 Kauf eines LF 16 / 12 von der Firma Ziegler, Ersatz für LF 16 TS.

1993 120jähriges Jubiläum Freiwillige Feuerwehr Steinheim

1995 Chlorgasunfall Blankensteinschule, 6 Feuerwehrmänner kommen ins Krankenhaus.

1996 Zum ersten Mal leisten 2 Frauen Feuerwehrdienst in Steinheim.
Umstellung auf digitale Alarmierung in der Abteilung Steinheim.

1997 Ausrichten der Leistungsprüfung vom Kreisfeuerwehrverband Ludwigsburg.

2000 Im Sommer 2000 erhielt die Abteilung Höpfigheim für ihr aus Altersgründen ausgemustertes LF 8, ersatzweise ein fabrikneues Tragkraftspritzenfahrzeug TSF-W.

2001 Am 22. September erhält die Abteilung I Steinheim 2 neue Fahrzeuge, eine neue Drehleiter DLK 18 / 12 und den von der Firma Alcatel SEL ausgemusterten gebrauchten Gerätewagen GW-T.

2002 In den Abteilungen Kleinbottwar und Höpfigheim wird die Alarmierung auf digitale Alarmierung umgestellt. Nun werden alle Abteilungen über digitale Funkmeldeempfänger alarmiert.

2005 Im März feiert der Spielmanns- und Fanfarenzug sein 75jähriges Jubiläum. In der Blankensteinhalle findet ein Konzert zusammen mit dem Akkordeonorchester Steinheim statt.
Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Stadt Steinheim findet in Steinheim an der Murr ein Steinheimer Tag statt, an dem die sieben Steinheims aus ganz Deutschland teilnehmen.

2007 Das über 30 Jahre alte LF 16/8 wird durch ein modernes HLF 20/16 ersetzt. Dieses Fahrzeug wurde erstmalig in einer interkommunalen Zusammenarbeit beschafft

2008 Der in die Jahre gekommene GW-T wird durch ein Gebrauchtfahrzeug der Firma Porsche ersetzt. Der neue GW-T wird in Eigenleistung ausgebaut und Anfang März in Dienst gestellt.
Ebenso wurde für den ELW ein Ersatzfahrzeug beschafft. Seit Anfang April rückt der neue ELW als Leitfahrzeug in Steinheim aus.